Airbnb sollte seine Gastgeber und letztlich seine Kunden stärker besteuern


Mit Airbnb können Einzelpersonen ein Zimmer oder ihr gesamtes Zuhause an andere Einzelpersonen vermieten.
Haben Sie schon einmal über Airbnb eine Ferienwohnung für Ihren Urlaub in der Schweiz oder im Ausland gebucht? Dann seien Sie sich bewusst, dass Ihre Endabrechnung im Herbst durchaus höher ausfallen könnte.
Tatsächlich soll die Plattform ihr Geschäftsmodell per 27. Oktober ändern, wie der «Blick» am Samstag berichtete. So sollen die Servicegebühren, die bei der Buchung einer Unterkunft anfallen, von der Rechnung verschwinden. Aktuell betragen diese 14,1 bis 16,5 Prozent des Gesamtpreises. Kostet eine Unterkunft beispielsweise 1000 Franken pro Woche, muss der Reisende 150 Franken mehr (15 Prozent) bezahlen, also insgesamt 1150 Franken. Und der Wohnungseigentümer muss Airbnb eine Provision von 3 Prozent oder 30 Franken zahlen. Er erhält somit 970 Franken.
Diese Servicegebühren, die Kunden manchmal abschrecken, sollten jedoch durch eine deutlich höhere Kommission von 15,5 Prozent für Gastgeber ersetzt werden, sagt Simon Lehmann, ehemaliger Leiter von Interhome und heute Berater bei AJL Consulting. Bei einer wöchentlichen Rechnung von 1000 Franken muss der Eigentümer also 155 Franken Steuern bezahlen und erhält statt 970 Franken nur noch 845 Franken. Es ist daher wahrscheinlich, dass der Eigentümer seine Gebühren erhöhen wird.
„Airbnb gibt vor, billiger zu werden. In Wirklichkeit wird es für alle teurer“, kritisiert Simon Lehmann. Schlimmer noch: Bei diesem Geschäftsmodell, das stark an Booking.com oder Expedia erinnert, besteht die Gefahr, dass die Provisionen der Buchungsplattformen in die Höhe schnellen. „Wenn es Airbnb gelingt, eine Provision von 15,5 Prozent ohne Widerstand durchzusetzen, wird dies einen breiten Druck für Steuern von 18 bis 20 Prozent auslösen.“ Diese Erhöhungen werden sich natürlich auf die Geldbörsen der Urlauber auswirken.
Mehr als zwei Millionen Reisende haben im vergangenen Jahr über Airbnb in der Schweiz übernachtet, wie die Plattform im Frühling bekannt gab . Dies habe der Wirtschaft einen Mehrwert von über einer Milliarde Franken beschert, so das Unternehmen. Diese Aktivität habe rund 10.000 Arbeitsplätze, insbesondere in der Gastronomie, gesichert und Steuereinnahmen von fast 250 Millionen Franken generiert, so das Unternehmen. Die Mehrheit der Gastgeber seien Einzelpersonen. Im gesamten Jahr 2024 hätten sie durchschnittlich 4.000 Franken verdient. Ein Einkommen, das 36 Prozent von ihnen als unerlässlich für den Erhalt ihrer Wohnung bezeichnen.
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