„Nicht mehr so attraktiv wie früher“: Auch für die Weinlese fehlen ausländische Saisonarbeiter

Innerhalb von zehn Jahren hat sich der Erntekalender um fast zwei Monate nach vorne verschoben. „Vor zehn Jahren begannen wir in der ersten Septemberwoche. Heute beginnen wir in der ersten Augustwoche“, fasste Jean-Marie Fabre, Präsident des unabhängigen Winzerverbandes, diesen Samstag auf RMC zusammen. Der Klimawandel betrifft nicht nur eine Region, sondern den gesamten Planeten. „Wenn der Winter milder ist, beginnt der Zyklus früher und die Reife tritt schneller ein.“ Infolgedessen reifen die Trauben jetzt schneller, und die Teams müssen sich anpassen.
Anpassung bedeutet aber auch, Arbeitskräfte zu finden: „Die Rekrutierung von Saisonarbeitern war schon vor zehn Jahren kompliziert und mit mühsamen Aufgaben verbunden. Heute ist die Ausstattung komfortabler, aber seit fünf oder sechs Jahren, seit Covid, sind 30 bis 35 % der Stellen nicht besetzt“, erklärt er. Auch die Verschiebung der Termine spiele eine Rolle: „Jetzt, wir sind Mitte August, haben die Studenten noch Ferien.“
Die Betriebe mussten Lösungen finden. Einige sind auf maschinelle Ernte umgestiegen, andere organisieren sich unter den Winzern, um sich ein Team zu teilen und alle Parzellen innerhalb einer Woche zu ernten, erklärt Jean-Marie Fabre. Doch der Pool an Saisonarbeitern hat sich definitiv verändert.
„Wir haben immer französische Saisonarbeiter gefunden, aber auch ausländische Arbeiter: aus Spanien, Portugal und sogar aus Osteuropa in der Champagne. Heute ist das Lohngefälle zwischen ihrem Land und unserem vielleicht nicht mehr so vorteilhaft wie früher. Es ist nicht mehr so attraktiv wie in den 1980er Jahren.“
Denn der Mindestlohn gilt immer noch: 12 Euro brutto pro Stunde. „Das ist nicht sehr hoch, das könnte man für viele Jobs sagen. Wer am Fließband arbeitet, bekommt das Gleiche“, räumt Jean-Marie Fabre ein. Als Ausgleich bieten einige Verpflegung, Unterkunft und sogar kleine Extras an, um die Lebenshaltungskosten zu senken. Doch die Beobachtung bleibt: „Aus vielen Gründen sind die Einschränkungen größer und es herrscht ein Mangel an Arbeitskräften.“

Schließlich verändert der Klimawandel auch die Traubenqualität. Extreme Hitzewellen mit Temperaturen von 40 bis 45 Grad, manchmal sogar über 50 Grad, beschleunigen die Zuckerkonzentration. „Mechanisch verdunstet das in den Beeren enthaltene Wasser, was die potenzielle Stärke des Endprodukts erhöht.“ Für manche besteht die einzige Lösung darin, vorausschauend zu handeln: bestimmte Parzellen früher ernten, mit Mischungen experimentieren und sich ständig anpassen. „Unser Beruf bleibt ein Handwerk: Wir müssen uns angesichts der Herausforderungen der Natur ständig neu erfinden“, fasst Jean-Marie Fabre zusammen.
RMC