Einblicke in Oliver Presteles exzentrisches, japanisch inspiriertes Studio
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Trotz der jüngsten Gentrifizierungswellen ist Berlin immer noch eine Stadt voller Künstler. Während einige (darunter Wolfgang Tillmans und Katharina Grosse) weltberühmt sind, sind es andere Charaktere, die die Stadt seltsam und unberechenbar machen. Da wäre zum Beispiel die Avantgarde-Choreografin Florentina Holzinger, die für ihre Operninszenierungen mit viel Kunstblut bekannt ist, und die 82-jährige Strickmodedesignerin Claudia Skoda, die man oft in Nachtclubs sieht. Und dann ist da noch der 52-jährige Künstler Oliver Prestele, den man in der Stadt mit flauschigen Hundehaarhüten und riesigen Holzschuhen antreffen kann. Er ist seit langem von allen Aspekten der traditionellen japanischen Kultur besessen, einer der leidenschaftlichsten Keramiker der Stadt, Miteigentümer einiger der erfolgreichsten japanischen Restaurants und ein Menschensammler. Bei den wöchentlichen Sonntagsessen, die er in seinem Atelier veranstaltet, kann man eine beliebige Anzahl kreativer Berliner treffen, vom in Vietnam geborenen Vom dänischen Künstler Danh Vo bis zur deutsch-japanischen klassischen Violinistin und Künstlerin Ayumi Paul.
Presteles Ateliers befinden sich in den Uferhallen, einem Komplex von Künstlerateliers am Kanal im aufstrebenden Stadtteil Wedding. Presteles 185 Quadratmeter große, zweistöckige Räumlichkeiten umfassen einen verglasten Raum, den er als Keramikatelier nutzt, sowie eine große offene Küche und ein Fermentationslabor, das mit Pflanzen und Töpferwaren gesäumt ist. Letztes Jahr hat er dort jeden Sonntag Soba-Nudeln zubereitet, bis er zufrieden war, dass sie perfekt waren. Auf dem Zwischengeschoss im zweiten Stock hat er ein Irori installiert, eine traditionelle japanische Feuerstelle, auf der er manchmal Nabe, einen japanischen Eintopf, kocht.
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Geboren und aufgewachsen in einem kleinen Dorf in Bayern, zog Prestele in den 1990er Jahren nach Berlin, um Produktdesign an der Universität der Künste Berlin zu studieren, wo einer seiner Professoren, ein japanischer Bildhauer, in ihm eine Faszination für Japan weckte. Nach seinem Universitätsabschluss reiste er so oft er konnte in das Land und brachte sich wie besessen selbst das Kochen von Ramen bei. 2001 baute er einen hölzernen Ramen-Wagen und begann, Nudeln an verschiedenen Orten in Berlins damals düsterem Stadtteil Mitte zu servieren. „Alles daran war illegal“, sagt er. Bald begann er, für Fotografen wie Peter Lindbergh zu kochen, und Mitte der 2000er Jahre tat sich Prestele mit dem vietnamesischen Restaurantbesitzer Ngu Quang Huy zusammen, um das Ramen-Restaurant Cocolo zu eröffnen, das heute zwei Filialen hat.
The New York Times