Nantes: Goldschmuck im Visier der Schmuggler

Im Großraum Nantes kam es zwischen 2016 und 2019 zu zahlreichen Diebstählen von Goldschmuck. Ein Juwelier, der Gold verdächtiger Herkunft weiterverkaufte, wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.
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Ihr Ziel: ein Haus nordwestlich von Nantes (Loire-Atlantique). Im Inneren wussten sie genau, wonach sie suchten. Die Einbrecher durchsuchten zuerst das Wohnzimmer, dann das Schlafzimmer im Obergeschoss und fanden schließlich den wertvollen Goldschmuck eines Rentnerpaares. „Ich hatte ein paar Kisten mit Schmuck, nicht viel, aber sehen Sie, die Kisten sind leer, Uhren, Münzen. Alles ist sortiert, ausgeräumt. Sie suchen nach kleinen Dingen, sogar nach all den kleinen Medaillen. Sie nehmen alles mit, was wie Gold aussieht“, sagt die Frau. Mehrere Tage lang macht das Paar eine vollständige Bestandsaufnahme. Ringe, 18-karätige Halskette, Taufmedaille. Alles ist weg. „Die Goldkette, die Medaille und die Goldkette, die Halskette meiner Frau. Wir zählen den gesamten fehlenden Goldschmuck zusammen. Wir kommen auf insgesamt 1.400 Euro“, erklärt der Mann.
Diebe geben sich nicht mit dieser Beute zufrieden. Zwischen 2016 und 2019 nahmen die Diebstähle in der Region Nantes zu. Rund dreißig Diebstähle zwischen dem Pays de la Loire und der Bretagne, die alle eines gemeinsam hatten: das Verschwinden von Goldschmuck und -gegenständen. Die Polizei vermutete ein strukturiertes Netzwerk und observierte die Eingeweihten. Eine Strategie, die sich auszahlte: Sie identifizierte einen Mittelsmann, der angeblich all das Gold sammelte. Was der Mann nicht wusste: Mehrere Monate lang wurde jeder seiner Schritte von den Ermittlern genau beobachtet.
An der Spitze der Ermittlungsabteilung steht Oberst Pascal Peresse. Er leitete diese außergewöhnlichen Ermittlungen und hatte dabei die undurchsichtigen Machenschaften des Mittelsmanns im Blick. „Er kontaktiert einen Juwelier in Nantes, zu dem er Kontakte hat, zumal er ein Uhrenliebhaber ist. Er unterscheidet zwischen wertvollem Schmuck und anderem Schmuck, der vergoldet sein könnte. Im Gegenzug bezahlt er den Betreffenden in bar“, erklärt er.
Dieser Juwelier mit einem Laden in Nantes sorgte in der Lokalpresse für Aufsehen und machte aus seinem Interesse an dem Edelmetall keinen Hehl. Auf einem Schild vor seinem Laden stand „Gold kaufen“. Bei Durchsuchungen in diesem Fall wurden über tausend Schmuckstücke und Uhren gefunden. Laut dem Anwalt des Juweliers war der 60-Jährige bei der Herkunft seiner Stücke schlicht nicht sorgfältig genug. „Es gab Grund, eine betrügerische Herkunft zu vermuten, ja, vielleicht, vor allem angesichts seiner üblichen Professionalität in solchen Angelegenheiten. Er hatte jedoch keine Ahnung, wie sein Lieferant seine Stücke in den Laden gebracht hatte. Und er versuchte es auch nicht herauszufinden; es interessierte ihn nicht“, versichert Maître Hugo Tran.
Ein Großteil des Schmucks ist bis heute verschollen, und das aus gutem Grund. Der Großteil wurde vom Juwelier eingeschmolzen und zu Barren verarbeitet. Mit diesen Barren fuhr er regelmäßig mit dem Zug nach Frankfurt. Dort verkaufte er sein Gold an einen unseriösen Großhändler weiter. Die Ermittler schätzten den Gesamtbetrag der Transaktionen auf über 1,3 Millionen Euro. Wenn der Mann die Rhône überquerte, war das kein Zufall. Die Gesetzgebung dort ist flexibler als in Frankreich. Keine Steuern und keine Rückverfolgbarkeit unter einem bestimmten Betrag, erklärt Jens-Uwe Steussloff, ein Fachmann aus Berlin: „Bis 2.000 Euro muss kein Formular ausgefüllt werden. Viele Kunden sagen, sie wollen es nicht ausfüllen. Wird die Obergrenze nicht überschritten, wird auch kein Ausweis verlangt.“ Der Juwelier aus Nantes wurde zu vier Jahren Gefängnis verurteilt, zwei davon auf Bewährung.
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Francetvinfo